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Gnawa Berlin

Sieben Jahrhunderte Klang

Die Geschichte der Gnawa

Eine Musik, aus Verschleppung geboren und zu einer Zeremonie der Heilung geworden: von den Transsahara-Handelswegen auf die Bühnen der Welt.

Ursprünge

Die Gnawa sind Nachfahren von Westafrikanern, die zwischen dem 11. und 17. Jahrhundert über den Transsahara-Handel nach Norden, nach Marokko, gebracht wurden, aus Gebieten vom heutigen Senegal bis zum Tschad. Sprachwissenschaftler führen ihr Erbe auf Völker der Sahelzone zurück, darunter Soninke, Bambara, Fulani und Hausa.

Der Name selbst wird meist aus dem Berberischen gedeutet: agnaw im Singular, ignawen im Plural. In Marokko bildeten die Verschleppten und ihre Nachfahren Bruderschaften, die ihre überlieferten Riten in den Islam und die Sufi-Praxis einbanden.

Die Lila

Das Herz der Tradition ist die Lila, eine Zeremonie vom späten Abend bis zum Sonnenaufgang. Was wie ein einziges, ununterbrochenes Musikstück klingt, ist eine Folge von Gesängen, von denen jeder eines der Mluk ruft: Geistwesen, die über sieben Farben angesprochen werden, jede mit eigenem Weihrauch, eigenem Rhythmus und eigenem Tanz, wie ein Prisma, das ein einziges Licht auffächert.

Eine Hellseherin, die Moqadma, hält das Ritual in Ordnung und bringt die Tücher und Gegenstände, die jede Farbe verlangt, während Tänzerinnen und Tänzer in den Trancezustand der Jedba übergehen. Der Maâlem, der Meistermusiker, leitet alles von der Guembri aus und ruft die Wesen, sich eines nach dem anderen zu zeigen.

Meilensteine

  1. 11. bis 17. Jahrhundert

    Versklavte Westafrikaner werden über den Transsahara-Handel nach Norden verschleppt, aus einer weiten Region vom Senegal bis zum Tschad. Unter ihnen sind Hausa, Fulani, Bambara und Soninke, die ihre Musik und ihre Rituale nach Marokko mitbringen.

  2. Über die Jahrhunderte

    In Marokko verschmelzen diese Traditionen mit Islam und Sufi-Praxis zu etwas Neuem: Bruderschaften von Musikern und Heilern, deren nächtliche Zeremonien den klassischen islamischen Sufismus mit vorislamischen afrikanischen Ritualen verbinden.

  3. 1998

    In Essaouira wird das Gnaoua World Music Festival gegründet. Es findet jedes Jahr im Juni an vier Tagen statt, und sein Publikum wächst von zwanzigtausend auf über zweihunderttausend Menschen im Jahr 2006.

  4. 12. Dezember 2019

    Gnawa wird bei der 14. Sitzung des Komitees in Bogotá in die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit der UNESCO aufgenommen, als eine gut bewahrte und über Generationen wirksam weitergegebene Tradition.

Und in Berlin

  1. 26. Juni bis 1. August 2026

    Das Sonic Pluriverse Festival im Haus der Kulturen der Welt widmet fünf Wochen den Global Echoes of Gnawa, kuratiert von Alaa Zouiten: Konzerte, Filme, Podien und Workshops, die Gnawa von seinen Wurzeln im Sahel bis zu Flamenco, Tarantella und den afrodiasporischen Traditionen des Atlantiks folgen. Zur Eröffnung zieht eine Gnawa-Parade vom Tiergarten zum Haus der Kulturen der Welt, angeführt von Maâlem Hicham Bilali und Black Koyo, und Gnawa Berlin läuft mit.

  2. 17. Juli 2026

    Eine echte Lila im Haus der Kulturen der Welt, von 23 bis 5 Uhr, mit Hicham Bilali und Mehdi Nassouli: die nächtliche Zeremonie selbst, mitten in Berlin.

Gnawa und die Welt

Die Guembri, eine dreisaitige Laute mit Felldecke, ist eng verwandt mit westafrikanischen Lauten wie der Hausa-Halam, einem Vorfahren des Banjos; die Qraqeb, schwere eiserne Kastagnetten, und die Tbel-Trommel vervollständigen den Klang. Dieser Klang zieht die Welt seit Jahrzehnten an: Jazzmusiker wie Randy Weston und Pharoah Sanders arbeiteten mit den Maâlems; Jimi Hendrix verbrachte Zeit in Essaouira im Umfeld von Maâlem Mahmoud Guinia; Brahim Belkane spielte mit Robert Plant und Jimmy Page von Led Zeppelin; Hassan Hakmoun trug die Tradition nach New York und arbeitete mit Peter Gabriel.

Aus diesen Begegnungen wuchsen die Gnawa-Fusionen: das Repertoire, verwoben mit Jazz, Blues, Reggae, Flamenco und Hip-Hop, ohne den Puls der Guembri darunter loszulassen. Diese Strömung trägt auch unsere eigenen Bühnen. Maâlem Simou Lagnaoui, der die Tradition von Großbritannien aus durch Europa trägt, spielt genau in diesem Geist mit Gnawa Berlin und teilt Bühnen und Straßen mit Musikern weit jenseits der Tradition. Das Foto unten zeigt einen solchen Moment: die Global Echoes of Gnawa Parade am Haus der Kulturen der Welt, bei der wir gemeinsam mit der Band von Hicham Bilali und mit Musikern und Tänzern aus Berlins Flamenco- und afrodiasporischen Communities gelaufen sind und gespielt haben. Die Tradition bleibt in Bewegung, so hat sie sieben Jahrhunderte überlebt. Lies mehr über die Band oder erlebe sie live.

Eine Reihe von Musikern in farbenfrohen Gewändern spielt Qraqeb beim Gehen an einem sonnigen See
Die Global Echoes of Gnawa Parade am Haus der Kulturen der Welt: Gnawa Berlin mit der Band von Hicham Bilali und Berlins Flamenco- und afrodiasporischen Communities.

Quellen: Wikipedia: Gnawa und Wikipedia: Gnawa music.

Das nächste Kapitel wird live gespielt.

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